Der Titel meines Wort zum Montags ist natürlich auslegebar und könnte auf so gut wie alles bezogen sein. Aber er spielt auf ein recht aktuelles Thema in der Modewelt an. Es ist Fashion Week Zeit. Rund um den Globus zeigt sich die Streetstyle Elite vor den Fashion Shows auf verschneiten Straßen. In Berlin ist der Trubel schon wieder vorbei, aber für die It-Girls und Boys geht es schon weiter in Paris. Wie wir alle wissen, sind die meisten Shows und Events geschlossene Veranstaltungen mit strenger Gästeliste. Aber zu welchem Preis?

Wer sitzt eigentlich in Reihe 1?

Ob gewollt oder nicht, natürlich dreht sich eine Fashion Show auch um die Besucher in Frontrow. Das Motto „Du bist, wo du sitzt“ liegt natürlich nicht allzu fern. Das Potenzial wird mehr oder weniger genutzt. In jedem Fall tummeln sich jede Menge Fotografen vor der Show um die begehrten Plätze. Das Blitzlichtgewitter ist immens und es scheint fast egal, welcher Name gerade Objekt der Begierde ist.

Ich beobachte die erste Reihe sehr gerne, auch während der Shows. Einerseits sehe ich dann die Reaktionen, andererseits suche ich nach Inspiration. Aber ehrlich gesagt polarisiert mir die besagte Reihe zu wenig. Natürlich kann ich nur von Berlin reden, aber dort ist es mir in diesem Jahr besonders aufgefallen. Selten sah ich außergewöhnliche Styles. Stattdessen fällt mir langweiliger Einheitslook auf oder eben Auffallen um jeden Preis – ich sage nur, ein BH ohne Oberteil hat nichts mit Mode zutun, es sei denn wir reden über Victoria’s Secret. Mir fehlen die echten Streetstyle-Queens und das gewisse Etwas, was man von anderen Städten kennt. Stattdessen wird die Reihe 1 manchmal mit Z-Promis aufgefüllt, die überhaupt nicht in Kontakt mit Trends oder Mode im allgemeinen stehen. Und ganz ehrlich, dass sieht man ihrem Verhalten auch aus 3 Reihen Entfernung an.

Mehr Inspiration

Die Berlin Fashion Week wird nicht immer nur gelobt und immer öfters fällt das Wort „langweilig“. Es heißt, dass deutsche Designer lieber ins Ausland gehen, statt ihre neue Kollektionen auf der deutschen Fashion Week zu präsentieren. Woran könnte das liegen? Einerseits fehlen große, deutsche Models. Die GNTM-Mädchen sind omnipräsent. Das heißt nicht, dass einige davon es ist drauf haben. Aber wegen der Castingshow werden sie in jedem Fall belächelt. Ich wünsche mir Models wie Gigi Hadid oder Irina Shayk auf dem Catwalk statt in der Frontrow. Deutsche Newcomer-Models, die in den Modemagazinen dieser Welt zu sehen sind, laufen meistens ebenfalls nicht auf der Fashion Week. Man kennt die Namen nur vom Hören sagen, aber warum gehören diese Mädels nicht nach Berlin?

Meiner Meinung nach könnte das Potenzial der Frontrow mehr ausgeschöpft werden und damit das etwas verstaubte Image der Fashion Week grunderneuert werden. Es ist nicht normal, dass die Top-Modeblogger in Reihe 1 sitzen. Aber dort gehören sie hin. Dabei sollte es aber nicht nur nach nackten Zahlen gehen, sondern auch nach Kreativität. Ich möchte Frauen sehen, die ihren eigenen Stil haben. Es muss nicht Größe 36 sein, ich wünsche mir mehr Vielfalt. Auf dem Catwalk ist sie schon angekommen. Dort laufen Best-Ager-Models mit Plus-Size Models – ein großes Lob an Mini by Eva Lutz. Wie wäre es mit mehr Mut beim Seating? Ich bin mir sicher, dass auch mit einem Applaus belohnt werden würde.

Wie steht ihr zu dieser Thematik? Ich freue mich sehr auf eure Kommentare.

Eure Julia