Das „Wort zum Montag“ ist meine wöchentliche Gelegenheiten Themen auf den Blog zu bringen, die abseits von Mode, Lifestyle und den schönen Dingen liegen. Oft sind es Themen, die mich persönlich beschäftigen oder aktuelle Diskussionen, die in der Presse debattiert werden.  Der heutige Beitrag liegt mir sehr am Herzen, denn das Thema betrifft jeden von uns zu verschiedenen Zeitpunkten im Leben immer und immer wieder: Abschied nehmen. Die Tage und Monate nach dem Verlust einer geliebten Person vergehen. Es wird ein Jahr daraus, dann zwei.

 

Warum Abschied vom Abschied?

Natürlich könnte ich an dieser Stelle von dem Verlust einer Freundin reden und mich als Person raushalten. Das möchte ich aber nicht. Ich hoffe mit diesem Post, den ein oder anderen in ähnlichen Situationen zu berühren und das kann man nur mit Ehrlichkeit. Gestern wäre der 90. Geburtstag meiner Oma gewesen. Keine Frage, sie hat ein schönes Alter erreicht. Sie starb vor knapp 2 Jahren und es war der richtige Zeitpunkt, wenn man das so sagen kann. Ihr Körper machte nicht mehr mit und man merkte deutlich, dass die Kraft aufgebraucht war. Als Angehöriger kommt damit der Moment des Abschiednehmens. Der Verlust ist nicht abwendbar und uns bleibt nur die letzten Tage des Menschen zu begleiten.

Ständiger Begleiter

Ich habe das Gefühl, dass man bis zum letzten Moment für die Person stark bleiben kann. Danach bricht die Trauer nicht unvermittelt aber brutal über dich herein. Auch jetzt versucht man für das direkte Umfeld stark zu bleiben. Niemand ist mit seiner Trauer allein. Gemeinsam zu trauern, kann eine echte Stütze sein. In meiner Erinnerung blieben die Trauer und der Verlustschmerz in den ersten Wochen mein ständiger Begleiter. Beides war allgegenwärtig. Je mehr Zeit verging, desto stumpfer wurde der Schmerz. Er hat mich immer seltener überwältigt, aber er blieb in vielen Momenten als dumpfes Pochen.

Wort zum Montag: Abschied vom Abschied

Manche Automatismen lassen sich bis heute nicht ausschalten. Wenn etwas Schönes passiert, möchte ich es ihr erzählen. Wenn etwas Grausames in der Welt passiert, möchte ich sie schützen, damit sie sich keine Sorgen um mich macht. Beides ist nicht mehr möglich. Dieser Moment des Erkennens ist der Schmerz, der mich weiterhin begleitet. Die Lücke in meinem nächsten Umfeld ist geblieben und sie wird sich nicht füllen lassen. Ich versuche immer wieder, an die Momente zu denken, die mich immer mit einem Lächeln erfüllen werden. Das mag die Art von Trauerbewältigung sein, die in meinem Fall funktioniert. Die Lücke ist da, aber ich vergesse nicht, weil ich alles im Herzen trage, was uns verbindet.

Wenn die Erinnerung verschwimmt

Gestern habe ich gemerkt, dass es nicht immer funktioniert. Der brutale Schmerz kann kurz zurückkommen und er ist genauso überwältigend wie am Anfang. Ich hatte den 90. Geburtstag fast vergessen und fühlte mich schlicht schuldig. Der Verlust wirkte frisch und natürlich fühlte ich mich allein. Sicherlich ist es normal, dass man solche Gefühle am Todestag hat. Aber ich habe mich entschieden, dass das der einzige Tag mit solch negativen Gefühlen bleiben sollte. Der Geburtstag sollte eine Erinnerung an schöne Tage sein. Die geliebte Person würde niemals wollen, dass uns dieser Tag oder ein anderer aus der Bahn wirft. Der Verlust wird unser Leben lang bleiben und wir mich ist der Moment da, Abschied vom Abschied nehmen zu nehmen. Weil ich vergesse und manche Dinge langsam in Erinnerung verschwimmen, heißt das nicht, dass die Person an Bedeutung verliert. Das ist der Lauf der Zeit und es ist kein Grund für Schuldgefühle. Ein Abschied verändert sich, aber was bleibt sind die Spuren, die eine Person hinterlassen hat.

 

Eure Julia